Birglandtrail mit Orchideenwunderwald 

17.05.2026

 

Eine Wasserscheide, zwei Ruinen, dreimal Pause, wunderbare Blumenwiesen – und nicht zuletzt Dutzende von Frauenschuhen

Wasserscheide, Wiesenwege, Steilanstiege, Klettereinlagen, unwegsam Querbeetiges, ein Aussichtskraxelpunkt, moosbedeckte Fels- und Wurzelwege, improvisierte Sitzungen am Brotzeitplatz, drohende dunkle Wolken, knallgelbe Rapsfelder, gekühltes Automatenbier, 2x der Alte Fritz  – all das und noch mehr nahmen 18 Querbeetwanderlustige 18 km lang unter ihre Füße.

 

Start in Poppberg, nur sonntags ab 1. Mai per VGN-Freizeitlinie von Hartmannshof zu erreichen. Das Kirchlein in Poppberg fungiert als wichtige europäische Wasserscheide: Alle Wassertropfen die südseitig auf das Kirchendächlein prasseln, landen in der Donau und im Schwarzen Meer, nordseitige haben keine Wahl, die müssen in den Rhein hinein und zur Nordsee.

Nach so viel Geographie jetzt aber ab auf Getruds Sonderwegen in den finsteren Wald und hoch hinauf auf den Poppberg. Auf diesen unmarkierten Weg verirrt sich sonst keiner. Nach einem einsamen Aufstieg offenbart sich erst in letzter Minute die Ruine da oben. Außenherum gehen oder drüberkraxeln, das ist hier die Frage. Mutige wagen sich auch noch meterhoch auf den treppenlosen Turmtorso. Komoot meint, so direkt geht’s auf der anderen Seite nicht runter, aber Querbeet wäre ja nicht Querbeet, um eine Spur nach unten über Blätterrutschen und Botanik zu finden. Szeneriewechsel: Auf einmal, statt wildem düsteren Wald, sanfte Sonnenwege mit wunderbaren Blumenwiesen! Anemonen, Butterblumen, Pustesterne und mehr, aber noch keine neugierig erwarteten Orchideen. Wir müssen zuvor noch auf den 646 m hohen Bärenfelsen, mit Klettereinlage und Balancierstück am Schluss und bekommen als Belohnung einen weiten Blick ins Land, hinüber zur Hersbrucker Schweiz.

Mittagszeit und Hunger und Forderung nach einer Pause! Ein schöner Rastplatz wird gewünscht und bei einem Teich mit Scheune gefunden. Die Brotzeitbank reicht nicht für alle, aber sei es die Verlängerung mit einem Brett auf einer Leiterstufe, ein Traktorhänger, Holzstämme oder sonstwas: Jeder findet seinen Sitzplatz. In gesteigerter Laune geht’s danach weiter durch Fürnried, wo Heerscharen von Autoausflüglern die Wirtshäuser stürmen, so dass wir lieber ohne Kaffee zum Orchideenwald weiterwandern. Viel Auf- und Ab und ein uriger Steilpfadtrail, so geht’s mehr als 100 steile Höhenmeter rauf. Viele Leute auf einmal, alle wollen Schuhe sehen. Ob die wirklich schon oder noch blühen? Passt das mit unserem Termin? Übergroße Hinweistafeln und Absperrungen, denn der begehrte Frauenschuh mags nicht, wenn man ihn im Umfeld hart tritt. Weich und zart liebt er den Boden, hauchdünn wie seine sonnengelbe Blüte. Einmal zu hart angetatscht kommt er nicht wieder.

Da ist einer! Einer Ballerina würdig und riesig … Wir staunen immer mehr, erst einzelne, dann wahre Blumensträuße, ein Fest zum Schauen und Ablichten. Und damit nicht genug: Nach der Schuh-Show türmen sich hohe Felsen mit Löchern und Toren auf, bevor wir wieder runtersteigen und durch Lichtenegg die zugehörige Burgruine ansteuern. Der Weg geht mitten durch das Gasthaus „Alter Schlosswirt & Metzgerei“ mit Sitzplätzen in mehreren Etagen, aber ohne Wirt, dafür mit freundlicher Automatenselbstbedienung und Vertrauenskassenzahlung. Erst Bier oder erst rauf zur Ruine? Jeder wie er moch! Beste Stimmung am Biertisch, grandiose Blicke von ganz oben auf der „gepflegten“ Ruine, ganz ohne Kraxelkünste – und so ganz anderes als unser Poppbergauftakt – zu erreichen. Wir schauen beeindruckt in alle Richtungen zum Fichtelgebirge, zum Frankenwald, zur Hersbrucker Schweiz …

Nun denn, der „Alte Fritz“ in Haunritz erwartet uns erst für 17.00, da ist für Unentwegte noch Zeit, dem markanten Felsen, der dem alten Preußenkönig so ähnlich sehen soll, aufs Dach zu steigen. – Was ist ein Münchner Schnitzel? Das kannte keiner vorher, der „Alte Fritz“ serviert es den Neugierigen. Es mundete prima. Immer mal was Neues probieren – und dann noch 3,3 km zur S-Bahn nach Hartmannshof laufen.  Die Vorauseilenden legten ein derartiges Tempo durch das wunderschöne Högenbachtal vor, dass Gertrud es vorzog am Schluss genussvoll hinterher zu bummeln. Wunderschön wars!

Organisation und Text: Gertrud

Fotos: Peter Kre.